Der beherzte Patient

Vom gesunden Umgang mit Krankheit

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Gesund? Krank?

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(Blog) Was bedeutet krank sein, was gesund sein? Nach unserem üblichen Verständnis ist man krank, wenn man Schnupfen, Depressionen oder Krebs hat. Als gesund gilt derjenige, bei dem eine solche Diagnose nicht gestellt wurde. Was nicht heißt, dass der Gesunde nicht schon eine Krankheit in sich trägt. Oder der Kranke viele gesunde Anteile hat. Hier wird’s mit dem Schubladendenken schwierig …

Was heißt eigentlich „gesund sein“? Dazu schreibt Deepak Chopra, Internist, Ayurveda-Arzt, Meditationslehrer und Bestseller-Autor, aus der Perspektive der „Body Mind Medicine“ (von mir frei übersetzt):

Aus einer ganzheitlichen Perspektive ist Gesundheit nicht einfach die Abwesenheit von Krankheit oder ihrer Symptome; es ist ein Zustand optimalen Wohlbefindens. Wir sind gesund, wenn wir fähig sind, alles zu verdauen, was wir aufnehmen, verwerten, was uns nährt, und ausscheiden, was uns nicht dient. Das beinhaltet Nahrungsmittel, Beziehungen, unsere Berufe und all unsere Lebenserfahrung. Krankheit dagegen entwickelt sich, wenn eine Störung auftritt – eine Blockade des Energie- und Informationsflusses in Körper oder Geist. Symptome und Beschwerden sind Signale des Körpers, dass wir die Blockaden beseitigen und die Balance bzw. den gesunden Fluss der Intelligenz wieder herstellen müssen. (Mehr unter http://www.chopra.com/ccl/7-tips-for-mind-body-balance#sthash.9GtvdUOm.dpuf)

Nach dieser Theorie kann also das System eines gesunden Menschen schon aus dem Gleichgewicht geraten sein, ohne dass sich bislang Symptome gezeigt haben.

Wie verhält es sich nun, wenn sich jemand krank fühlt, obwohl es keine Diagnose gibt? Er oder sie von Ärzten auf den Kopf gestellt wird, ohne dass etwas gefunden wird? Ist er dann trotzdem gesund? Nein, natürlich nicht. Wenn mittels CT, MRT & Co. nichts gefunden wird, heißt das ja noch nicht, dass es keine Störung gibt. Wenn er leidet, leidet er, punktum.

Andersherum kann sich jemand, der krank ist, durchaus gesund fühlen. Ich zum Beispiel. Meine Onkologin wird nicht müde, mir (mit und ohne Anlass) klarzumachen, dass ich nun unheilbar krank sei und deshalb „in der Palliativschublade“ steckte. Vor allem hebt sie zu dieser Rede an, wenn ich ihr sage, dass ich mich blendend fühle: Ich bin nicht nur zufrieden, sondern oft sehr, sehr glücklich, habe keinerlei körperliche Beschwerden, bin sportlich unterwegs, energiegeladen und belastbar. Ich habe das untrügliche Gefühl, das macht sie richtig aggressiv! Denn in das Weltbild einer westlich geprägten Ärztin scheint es einfach nicht zu passen, dass sich eine Patientin (zumal mit fortgeschrittenem Krebs“leiden“) gesund fühlt. Dabei sollte sie sich doch mit mir darüber freuen! Oder?

Es ist also nicht einfach, die Sache mit Krankheit und Gesundheit. Sie ist vielmehr ziemlich kompliziert und passt deshalb nur schwerlich in das System unserer Schulmedizin. Die doch so viel erreicht hat und es immer noch tut. Das will ich keine Sekunde in Abrede stellen. Aber ich möchte nicht von einer Ärztin in eine Schublade gesteckt werden, ganz gleich, in welche. Ist das zuviel verlangt?

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