Der beherzte Patient

Vom gesunden Umgang mit Krankheit

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Körper

Osteopathie, Akupunktur & Co

Ganzheitlich“ ist im Zusammenhang mit medizinischer Behandlung ein inzwischen recht überstrapazierter Begriff. Dennoch fällt mir kein besserer ein.

Die Medizin ist immer Teil der Zeitgeschichte und der Gesellschaft, die diese Geschichte schreibt. Seit der Aufklärung werden Körper, Geist und Seele, Materielles und Immaterielles getrennt, im Denken wie im Tun. Das hat seine Gründe, hat eine wissenschaftliche, technische und digitale Revolution ermöglicht, die unser Leben prägt und in vielerlei Hinsicht erleichtert und schöner macht. Auch in der Medizin sind fantastische Behandlungsformen entwickelt worden, die vielen, vielen Menschen – die Zugang dazu haben – das Leben retten oder mindestens verlängern. Insbesondere in der Akutmedizin ist die westliche Medizin unschlagbar.

Ich allerdings gehe seit geraumer Zeit davon aus, dass Körper, Geist und Seele untrennbar miteinander verbunden sind. Alle drei Faktoren spielen sowohl bei Erkrankungen als auch beim Gesundwerden eine Rolle. Sind Geist und Seele krank, kann der Körper nicht dauerhaft geheilt werden. Und dass sich körperliche Betätigung in der Natur positiv auf unsere Psyche auswirkt, ist heute schon ein alter Hut.

In der konventionellen Krebsbehandlung spielt weitgehend nur der Körper eine Rolle. Eigentlich wird noch nicht einmal der ganze Körper, sondern vor allem der Tumor behandelt. Er wird operiert, bestrahlt, mit Chemotherapie traktiert. Wenn man aber davon ausgeht, dass Krebs eine chronische Erkrankung ist, also binnen vieler Jahre entsteht und uns dann noch viele Jahre, vielleicht sogar lebenslang, begleiten kann, müssen zunächst der ganze Körper, schließlich auch Geist und Seele in die Behandlung einbezogen werden.

Dass die „Schulmedizin“ dieses langsam erkennt, sieht man an der Entwicklung der „Psychoneuroimmunologie“: Dieser unglaublich lange Name bezeichnet die Erforschung der komplexen wechselseitigen Beeinflussungen von Körper und Geist. Beispielsweise bereits an vielen Krebszentren anerkannt und praktiziert ist die Psycho-Onkologie, eine spezielle Form der Psychotherapie. Allerdings deutet schon der Begriff wie „Brustzentrum“ darauf hin, dass hier eben nicht die ganze Frau, sondern weitgehend nur ihre Brust betrachtet wird.

Ich halte die Arbeit der zertifizierten Brustzentren für überlebenswichtig. Ich selbst habe sämtliche angebotene Behandlungen durchlaufen und bin überzeugt davon, dass ich bei meiner späten Diagnose keine andere Wahl hatte. Und ich bin den Ärzten und Ärztinnen dankbar, die mich nach bestem Wissen und Gewissen behandelt haben und immer noch behandeln.

Gleichzeitig bin ich aber zu der Überzeugung gelangt, dass das nicht reicht. Noch heute suche ich nach integrativ bzw. ganzheitlich arbeitenden Ärzten, vor allem Onkologen. Einige gibt es, aber meines Wissens keine oder keinen, der sich auf die Gynäkologie spezialisiert hat, und dem ich hier voll vertrauen kann. Selbst bei integrativ arbeitenden Ärzten habe ich den Eindruck, dass sie entweder das eine (die Schulmedizin) oder das andere (Komplementärmedizin) besser können. Ich möchte aber natürlich nichts weniger als Top-Leute in beiden Disziplinen!

Deshalb bewege ich mich zwischen zwei Welten: der schulmedizinischen auf der einen und der komplementären auf der anderen Seite. Das ist nicht immer einfach, haben diese Ärztegruppen doch häufig stark voneinander abweichende Weltbilder. Aber ich fürchte, mit diesem Problem muss ich leben – ich möchte die Errungenschaften des einen wie der anderen Medizinsysteme nutzen und verbinden. Und suche mir zumindest Ärzte und Therapeuten, die der jeweils anderen Gruppe Respekt zollen. Noch schöner wäre es, wenn mehr Ärzte von hüben und drüben zusammenarbeiten würden – der Gynäkologe mit dem Osteopathen oder dem Akupunkteur zum Beispiel. Beide könnten besprechen, was für ihre Patientin am besten ist.

Im Folgenden führe ich die bekanntesten komplementären Ansätze auf. Vieles habe ich selbst probiert: Akupunktur, Osteopathie, Homöopathie, Tibetische und Chinesische Medizin sowie Ayurveda und die klassischen komplementären Krebsbehandlungen wie Hyperthermie, Ozon-Eigenblut-Behandlung und andere Therapien. Ich versuche, auf meinen Körper, auf mein Gefühl zu hören, was gerade für mich richtig ist. Was mich seit der Erstdiagnose begleitet, ist die Akupunktur. Die anderen Verfahren nehme ich mal hier, mal da in Anspruch. Am wichtigsten ist mir, nicht nur meine Krankheit zu bekämpfen, sondern auch meine gesunden Anteile zu stärken. Und darin sind die komplementären Ansätze stark.

Das liebe Geld

Dass ich manches nicht dauerhaft anwende, hat auch finanzielle Gründe. Denn als gesetzlich versicherte Kassenpatientin muss ich fast alles aus eigener Tasche bezahlen. Meine Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse, erstattet wenigstens die Homöopathie bei ausgewählten Ärzten (allerdings nicht bei denen, denen ich vertraue) und einen Großteil von sechs osteopathischen Behandlungen im Jahr. Akupunktur wird nur bei Knie- und Rückenerkrankungen, in seltenen Fällen auch bei Migräne erstattet. Das wär’s dann. Die Kosten für so manches Kleidungsstück, so manchen Urlaub, so manchen Restaurantbesuch habe ich gespart und stattdessen in eine komplementäre Behandlung investiert. Manches kann ich mir schlicht nicht leisten. Allerdings ist vieles auch erschwinglich – die Anamnese bei einem klassischen Homöopathen kostet um die hundert Euro, die verabreichten Globuli schlagen aber nur noch mit 10, 15 Euro und nachfolgende Kurztelefonate mit je 10 Euro zu Buche. Eine Zusatzversicherung für Heilpraktiker kann dies oder jenes abdecken.

Ich weiß, es gibt Patienten, die haben das Geld weder für günstige komplementäre Behandlungen noch für eine weitere Versicherung übrig. Aber die Lektüre dieses Ordners wird zeigen, dass es dennoch Möglichkeiten gibt, sich ganz ohne Geld etwas Gutes zu tun. Qigong-Kurse werden beispielsweise von den meisten Kassen übernommen, und wer’s mal kann, übt’s einfach alleine zuhause. Meditieren ist umsonst, und Tees mit Kräutern aus dem eigenen Garten oder aus dem Blumenkasten auch. Ayurvedische Ölbehandlungen kann man selbst anwenden, und was wir essen, suchen wir uns auch selbst aus. Joggen oder Spazierengehen ist gratis, in der Sonne sitzen und zehn Minuten tief atmen auch. Das ist schon ziemlich viel.

Nach diesem Exkurs ins Finanzielle nun eine Übersicht über komplementäre Verfahren – die sich, so unterschiedlich sie scheinen, im Grundsatz doch sehr ähneln.

Die Beschreibung dieses gemeinsamen Nenners habe ich von meinem Lieblings-Osteopathen, Sebastian Müller in Friedrichsdorf (www.osteofriedrichsdorf.de), übernommen, auch wenn er den Absatz auf die Osteopathie gemünzt hat:

Gesundheit ist kein Ziel, dass wir erreichen, sondern eine Art Gleichgewicht, das unser Körper halten will. Das ist gar nicht so einfach, denn unser Körper ist ständig inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt, die ihn aus diesem Gleichgewicht bringen. Solange unser Körper dieses Gleichgewicht halten kann, sprechen wir von Gesundheit. Geht dieses Gleichgewicht verloren, dann erkranken wir. Doch selbst wenn wir erkranken, gibt unser Körper nicht auf, sondern versucht, wieder gesund zu werden, also ein neues Gleichgewicht herzustellen.“

Und dabei helfen all die hier beschriebenen Therapien und medizinischen Systeme – auf ihre Weise. Vor allem geht es darum, den Körper in die Lage zu versetzen, sich selbst zu heilen. In dieser Hinsicht sind sie von der Schulmedizin gar nicht so weit weg. Auch Pillen und Operationen haben diese Funktion.

Die komplementären Verfahren betonen allerdings die Rolle des Patienten stärker. Wenn Sie zu einem Komplementärmediziner sagen: „Machen Sie mich gesund“, wird er oder sie nur milde lächeln und Ihnen klarmachen, dass das so nicht geht, sondern nur im Team, in der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient. Kürzlich las ich in einer Zeitschrift etwas über renommierte Krebskliniken. Auf der Titelseite ein Foto mit einem futuristisch anmutenden CT-Gerät und der Zeile: „Hier wird der Krebs besiegt.“ Das halte ich schlicht für gelogen. Richtig heißt es: „Hier wird der Krebs bekämpft.“ Besiegen kann ihn nur der Patient selbst – mit Gottes Hilfe.

Ich habe für mich herausgefunden, dass zwar die Art der komplementären Therapie eine wichtige Rolle spielt – aber noch wichtiger ist der Therapeut, der dahinter steht. Wenn ich zu ihm ein gutes Verhältnis habe, wenn Chemie und Kompetenz stimmen und er einen fairen Preis verlang, dann sind die Türen für einen Behandlungserfolg geöffnet.

Chinesische Medizin

Das große Anliegen der Chinesischen Medizin ist die Pflege des menschlichen Lebens und die Bewahrung der Bedingungen, unter denen es wachsen und gedeihen kann. Ihr liegt mit dem Daoismus eine Weltanschauung zugrunde, nach der der Mensch Teil einer ungebrochenen Ganzheit ist, also alles mit allem verbunden ist: Menschen, Tiere, Pflanzen, der Kosmos bilden eine Einheit, alles entwickelt sich über Wechselwirkungen und Beziehungen. Gelenkt werden sie durch die Energie alles Lebendigen, das Qi (gesprochen: Tschi).

Weil alles miteinander verwoben ist, behandelt der Arzt für Chinesische Medizin nicht etwa ein erkranktes Organ allein, sondern sieht es in Wechselwirkung mit sämtlichen Körperfunktionen, dem Geist und der Seele.

In der chinesischen Tradition übernimmt der Arzt die Rolle eines Lehrenden: Er sieht seine Rolle nicht darin, einen überwiegend passiven Patienten eine an medizinischen Leitlinien orientierte Therapie angedeihen zu lassen, sondern gemeinsam mit ihm nach der individuellen Ursache des Leidens zu forschen und mittels chinesischer Behandlungsverfahren eine Verbesserung der Beschwerden oder gar eine Heilung herbeizuführen. Darüber hinaus stattet er den Patienten mit Wissen und Werkzeugen aus, die ihn befähigen sollen, seine Lebensenergie zu stärken und damit auch selbstständig gegen seine Beschwerden vorzugehen.

Die Chinesische Medizin ist auch eine vorbeugende Medizin. Früher wurden chinesische Ärzte dafür bezahlt, dass ihre Patienten gesund blieben – wenn jene erkrankten, wurde dem Arzt Versagen vorgeworfen.

Die Chinesische Medizin, oft auch „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM) genannt, umfasst verschiedene Behandlungsverfahren. Im Wesentlichen ruht sie auf fünf Säulen:

  • Akupunktur,
  • Arzneimitteltherapie,
  • Ernährungslehre,
  • der manuellen Therapie Tuina
  • und der Bewegungsmeditation Qigong.“

In Bayern gibt es die Klinik Silima, die im Rahmen integrativer Onkologie Tumorpatienten auch mit Chinesischer Medizin behandelt. Eine Redakteurin von „netdoktor.de“, mit der ich lose bekannt bin, war vor allem von dem dort wirkenden Konsiliararzt, dem integrativen Onkologen Prof. Dr. med. Petro E. Petrides aus München überzeugt: www.klinik-silima.de und www.onkologie-muenchen.de.

Mein Urteil: Ich glaube an die Wirksamkeit Chinesischer Medizin und habe sie auch schon körperlich spüren können. Ich habe bereits chinesische Kräuter genommen und mich vor allem zur Qigong-Lehrerin ausbilden lassen. Dass ich so gut durch Chemotherapie und Bestrahlung gekommen bin, schreibe ich zumindest teilweise auch der regelmäßigen Akupunktur zu. Im Zusammenhang mit Chemotherapie wird sie immer wieder als gute Methode zur Reduzierung von Übelkeit genannt. Das kann ich bestätigen – aber die Akupunktur kann noch so viel mehr. Deshalb hier noch ein eigener Absatz dazu:

Akupunktur

Der lateinische Ausdruck bezeichnet das Stechen von Nadeln (acuspungere). Der in China gebräuchliche Ausdruck „Zhen-jiu“ meint die Akupunktur und Moxibustion, also neben dem Nadelstechen auch die Wärmebehandlung mit über der Haut abgebrannten Naturstoffen, meist Beifußkraut. In China werden Akupunkturpunkte auch mit Mikroaderlass und Schröpfen behandelt. In der westlichen Welt findet zudem die Laserbehandlung zunehmend Anwendung.

Während für die westliche Medizin Gesundheit messbar ist, etwa im Cholesterinwert oder im Blutdruck, wird sie aus chinesischer Sicht von der Lebensenergie Qi bestimmt, die auf Energiebahnen, den Meridianen, durch den Körper strömt und an mehr als 700 Punkten die Hautoberfläche berührt. Fließt die Qi-Energie harmonisch, ist der Mensch gesund. Krankheit und Schmerz sind dagegen Ausdruck von Disharmonien im Qi-Fluss.

Das Ziel aller therapeutischen Maßnahmen in der Chinesischen Medizin, also auch der Akupunktur, ist es, gestörte Energien zu normalisieren: Die auf den Meridianen liegenden Akupunkturpunkte werden mittels feinster Nadeln angeregt, der aus dem Takt geratene Energiestrom wird reguliert. Jeder dieser Punkte steht in Verbindung mit einem bestimmten Organ oder Organkreis und hat eine genau definierte Heilwirkung. Das erkrankte Organ wird also nicht, wie in der westlichen Medizin, direkt behandelt, sondern indirekt über die Akupunkturpunkte beeinflusst. Deren Reflexwirkung balanciert die Energie der Organe aus und regt diese zur Selbstheilung an.“

Mehr dazu zum Beispiel bei der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur unter www.daegfa.de. Hier gibt es auch eine Liste qualifizierter Akupunkteure in Ihrer Nähe.

Empfehlen kann ich Dr. med. Michael Hammes in Bad Homburg, dessen Website ich auch die Ausführungen zu Chinesischer Medizin und Akupunktur entnommen habe. Er ist zwar Neurologe, kennt sich aber als in China ausgebildeter Arzt auch auf vielen anderen fachärztlichen Gebieten aus und arbeitet auch mit anderen Fachärzten zusammen, unter anderem mit Gynäkologen, was für mich wichtig ist. Er ist ein international ausgewiesener Experte für Akupunktur – und außerdem ein netter, empathischer Arzt: www.hammes-akupunktur-neurologie.de.

Natürlich sind zu Akupunktur zahllose Bücher geschrieben worden. Dr. Hammes empfiehlt Interessierten vor allem einen Film – leider wieder nur auf Englisch. „9000 Needles“ (9000needles.com) handelt von einem Mann, der einen schweren Schlaganfall erlitten hatte und in der größten Akupunkturklinik Chinas in Tianjin (mit der Dr. Hammes eng verbunden ist) erfolgreich behandelt wurde. Allerdings macht der Film deutlich, dass es mitnichten nur die Nadeln waren, die zu seiner Gesundung beitrugen: Es waren vor allem auch der Mut des Patienten, seine Entschlossenheit, und die Unterstützung seiner Familie und Freunde.

Tibetische Medizin

Körper, Seele und Geist bilden während des Lebens eine untrennbare Einheit. Damit haben jedes Organ und jede körperliche Funktion auch geistige Aspekte und umgekehrt. Die eigentliche entfernte Krankheitsursache sieht die Tibetische Medizin im Geist. So haben die sogenannten „drei Säfte“, die für das körperliche und seelische Gleichgewicht sorgen, ihren Ursprung in geistigen Fehlhaltungen, die fester Bestandteil menschlicher Existenz sind. Die Einbeziehung seelischer und geistiger Aspekte zeichnet die ganzheitliche Herangehensweise Tibetischer Medizinpraxis aus. Hauptsächliches Diagnoseverfahren ist die Pulsdiagnostik, Schwerpunkte der Therapie sind Kräutergaben und die Ernährung.

In Bad Homburg kenne ich mit Sonja Maric, deren Website ich diese Erläuterung entnommen habe, eine gut ausgebildete Heilpraktikerin. Ihr Lehrer, der tibetische Arzt Dr. Pasang Y. Arya T. Sherpa, praktiziert regelmäßig in der Kurstadt:www.tibetischemedizin-praxis.de.

Mein Urteil: Ich habe Dr. Arya nur einmal wegen meiner Krebserkrankung konsultiert, mich danach auf die Akupunktur konzentriert. Aber ich kenne ihn schon seit längerem, unter anderem hat er mich mit Hilfe von Kräutermedizin und einer Ernährungsumstellung von dauerhaften Magenbeschwerden befreit. Außerdem ist dieser Arzt einfach eine beeindruckende Persönlichkeit. Sonja Maric ist seine Schülerin und war, bevor sie sich selbst niederließ, seine langjährige Assistentin. Er selbst hat sein Institut in Mailand: http://www.newyuthok.it/

Ayurveda

Seit ungefähr 15 Jahren entfaltet sich der Ayurveda auch in den modernen Industrienationen. Die Nachfrage in der Bevölkerung wächst nicht nur wegen guter klinischer Ergebnisse stetig. Von der WHO als medizinales System anerkannt, fußt sie auf einer Jahrhunderte langen Tradition, die sich über Generationen verfeinert und bewährt hat.

Der Grundansatz der ayurvedischen Medizin nimmt den Patienten als Individuum wahr und bindet ihn eigenverantwortlich in den Gesundungsprozess ein. Prävention und Psychosomatik bilden tragende Säulen. Durch die intelligente Kombination vielfältiger naturheilkundlicher Maßnahmen können mit Ayurveda Erfolge bei Erkrankungen erzielt werden, die in der Schulmedizin als schwer behandelbar gelten und deren Therapie einen hohen Kostenaufwand oder akkumulierende Nebenwirkungen nach sich ziehen.

Besonders chronische Erkrankungen und funktionelle Störungen mit psychischer Komponente sprechen auf die ayurvedische Therapiepalette an. Bei schweren Erkrankungen verspricht die Kombination von schulmedizinischen und ayurvedischen Verfahren die besten klinischen Ergebnisse. Dabei stehen immer der Einsatz der eigenen geschulten Sinne, die individuelle Abstimmung auf den Patienten und seine Konstitution, die Eigenverantwortung des Patienten, die Vorbeugung, die ursachenorientierte Therapie und der Einsatz angemessener Mittel im Vordergrund.“

So erklärt das Ayurveda- und Kurzentrum Rosenberg im Vogelsberg (www.rosenberg-ayurveda.de) dieses komplexe, jahrtausendalte medizinische System. Ein Bekannter von mir hat dort seine Ausbildung zum Ayurveda-Therapeuten absolviert und ist begeistert von dieser Institution und den Menschen, die dort arbeiten.

Als meine Behandlung nach der Erstdiagnose beendet war, wusste ich, dass ich keine gewöhnliche Kur machen wollte. Auch die von den Kassen anerkannten Häuser, die komplementär arbeiteten, gefielen mir nicht. Ich wollte eine Ayurveda-Kur machen. Noch lieber eine im Rahmen der Chinesischen Medizin, aber das gibt es in Deutschland nicht; es gibt lediglich Krankenhäuser. Ich habe schnell gelernt: Was ich gerne möchte, ist das eine, was möglich ist, ist etwas anderes.

Durch „Zufall“ erfuhr ich von einem kleinen Ayurvedischen Kurzentrum in Pfedelbach bei Heilbronn. Ausgerechnet! Meine Wahl fiel vor allem deshalb darauf, weil es mit 2.100 Euro für zwei Wochen überhaupt noch bezahlbar war. Es gibt noch andere gute Adressen neben der Rosenberg-Klinik, die Ayurveda-Kliniken in Kassel zum Beispiel oder in Bad Ems. Von der Heimat Ayurvedas, Sri Lanka, ganz zu schweigen.

Mein Urteil: Ich möchte dieses Heilsystem gerne anhand eines handfesten Beispiels beurteilen – dem AUM-Kurzentrum in Pfedelbach, da ich dort das meiste, was ich über Ayurveda weiß, gelernt habe. Eine Einschränkung vorweg: Das Zentrum ist nicht für akut kranke Menschen geeignet, da es dort „nur“ erfahrene Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeuten gibt, aber keine Ärzte. Deshalb der im Vergleich „bescheidene“ Preis. Meine Erfahrungen dort sind allerdings unbezahlbar. Welch ein wunderbarer Ort! Ich habe dort eine klassische Entgiftungs- oder „Panchakarma“-Kur gemacht, eine Kombination aus einer speziellen Diät, Heilmassagen, Meditation, Yoga und einem Ausleitungsverfahren. Medizin für Körper, Geist und Seele, kann ich da nur sagen. Das Zentrum ist eher ein „Zentrümchen“, viel mehr als zwanzig Kurgäste kann es nicht aufnehmen. Und was das für Gäste sind – einzigartig. Ich habe viele sympathische, kluge Menschen getroffen, die gerne lachten, mindestens zehn Jahre jünger aussahen, als sie waren – und dabei unfassbare Schicksale hinter sich hatten. Häufig mit schwersten Krankheiten (natürlich auch Krebs) geschlagen, saßen sie strahlend vor mir und waren die besten Vorbilder, die man sich denken kann. Ja, um dort glücklich zu sein, muss man eine spirituelle Ader haben, zumindest offen sein für solche Ansätze. Wenn Sie sich das vorstellen können, verbringen sie doch dort einmal ein Wochenende und schauen Sie, ob das etwas für Sie ist: www.ayurvedakuren.de.

Mehr Informationen zu Ayurveda unter www.ayurveda.de. Für englischsprachige Menschen ist auch der in Kapitel 3 ausführlich besprochene Deepak Chopra eine unerschöpfliche Quelle: www.chopra.com.

Osteopathie

Der Ansatz der Osteopathie ist einfach: Leben zeigt sich in Form von Bewegung. Dort, wo Bewegung verhindert wird, macht sich Krankheit breit. Die Osteopathie kennt alle kleinen und großen Bewegungen des menschlichen Körpers. Sie hilft mittels einer manuellen Therapie, Bewegungseinschränkungen aufzuspüren und zu lösen.“

Das schreibt der bereits erwähnte Sebastian Müller, Physiotherapeut, Heilpraktiker und Osteopath, auf seiner Website (www.osteofriedrichsdorf.de).

Mein Urteil: Ich kann nur sagen – dieser Mann hat heilende Hände. Ich genieße diese intensiven Berührungen, die jedesmal spürbare köperliche Reaktionen auslösen – zur Wiedererlangung der inneren Balance. Er beherrscht auch die so genannte bioenergetische Osteopathie – dabei behandelt er mich manchmal eine Stunde lang, ohne mich zu berühren. Und in meinem Körper ist der Teufel los. Faszinierend.

Weitere gut ausgebildete Osteopathen finden Sie auf den Internetseiten der entsprechenden Verbände, zum Beispiel bei www.osteopathie.de.

Homöopathie

Viele von Ihnen haben sicher als Eltern die kleinen weißen Kügelchen kennengelernt, die Globuli. Sie wirken gerade bei kleinen Kindern oft erstaunlich gut. Hier die Wikipedia-Definition der Homöopathie:

Die Homöopathie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Ihre namensgebende und wichtigste Grundannahme ist das von Hahnemann formulierte Ähnlichkeitsprinzip: ‚Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden‘ (similiasimilibuscurentur, Hahnemann). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass es an Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen könne wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der ‚gemüthliche und geistige Charakter‘ des Patienten berücksichtigt werden solle.“

Ich persönlich achte darauf, dass ich es mit einem klassischen Homöopathen zu tun habe. Hier steht, im Gegensatz zur gängigen, oft mitpraktizierten Homöopathie, die Persönlichkeit des Patienten im Mittelpunkt. Wenn etwa ein Allgemeinarzt auch homöopathische Mittel verabreicht, zielen diese zumeist auf ein bestimmtes Leiden (zum Beispiel Arnika bei Stoßverletzungen). Der klassische Homöopath sucht nach einem Medikament, das Ihrer Persönlichkeit bzw. Ihrem individuellen Symptombild entspricht. Leider wird gerade genau diese Richtung, die nah beim Begründer dieser Heilmethode bleibt, von den Kassen oft nicht übernommen.

Ein in Frankfurt bekannter klassischer Homöopath, der auch mit Frankfurter Krankenhäusern zusammenarbeitet, ist Dr. med. Bernd Rommel, Tel. 069/72 80 80 (hat leider keine Website).

Mein Urteil: Ich glaube an die Wirksamkeit dieser Heilmethode und wende sie, nach Rücksprache mit meinem Homöopathen, immer wieder an. Mit Erfolg!

Mehr Infos gibt es unter anderem bei der Deutsche Homöopathie-Union: www.dhu.de.

Die „klassische“ komplementäre Krebstherapie

Sie haben sicher schon von Verfahren wie Hyperthermie oder Ozon-Sauerstofftherapie gehört. Das sind Methoden, wie sie von der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr unter www.biokrebs.de sehr ausführlich beschrieben werden.

Auch das habe ich ausprobiert – nach meinem Rezidiv. Ich habe mich in der Praxisklinik Dr. Schuppert in Bonn (www.praxisklinikbonn.de) einer zweiwöchigen Kompaktkur unterzogen, mit Hyperthermie, Ozon-Eigenblutbehandlung, Infusionen unter anderem mit Vitamin C und anderen Vitaminen und Mineralien, Lasertherapie, Biopulsar- und Bioresonanztherapie. Das alles nach ausführlicher Anamnese und Diagnostik. Credo: Mit teils ungewöhnlichen Diagnostikverfahren selbst die kleinsten Unzulänglichkeiten des Körpers herausfinden und mit naturheilkundlichen Methoden behandeln, um das Immunsystem zu stärken. Grundsätzlich verfolgt Dr. Schuppert einen integrativen Ansatz, das heißt, es werden dort auch schulmedizinische Verfahren wie etwa Chemotherapie angewandt.

Mein Urteil: ist gemischt. Das hat zum einen persönliche, zum anderen aber auch finanzielle Gründe. Fest steht: Bei der Kontrolle unmittelbar nach der Kur waren meine Tumormarker im Keller und das ärgerliche Wasser im Bauch aufgrund der Bauchfellkarzinose „verdampft“ (ob es das war oder das Chemo-Medikament oder etwas anderes oder alles zusammen, weiß niemand). Aber eine fortlaufende Behandlung mit diesen Methoden ist für mich noch weniger bezahlbar als ayurvedische oder chinesische Behandlungen. Und letztere sind mir schlicht sympathischer. Achtung – wie schon in der Einleitung gesagt: Das ist mein persönliches Urteil; Ihres kann ganz anders ausfallen!

Lymphdrainage

Auch zu dieser speziellen manuellen Therapie möchte ich noch etwas schreiben. Mit speziellen Handgriffen lindern Therapeuten – zumeist Physiotherapeuten mit einer Zusatzausbildung – Schwellungen, wie sie bei uns Brustoperierten mit dem einen oder anderen Lymphknoten weniger gerne in Händen oder Armen auftreten. Außerdem sind wir anfälliger für Entzündungen in diesen Bereichen, weil das geschwächte Lymphsystem den „Körperabfall“, darunter auch Viren und Bakterien, nicht mehr so gut abtransportiert. Haben Sie am besten immer ein Desinfektionsspray zur Hand, wenn Sie sich trotz aller Vorsicht doch einmal verletzen sollten. Denn eine Lymphangitis, also eine Entzündung der Lymphbahnen, wie ich sie dreimal hatte, ist nicht so richtig spaßig.

Die gute Nachricht: Diese manuelle Therapie gibt es tatsächlich auf Rezept. Die schlechte Nachricht: Es gibt nicht viele Therapeuten, die es wirklich gut können. Das liegt zum einen an der oftmals recht mageren Fortbildung, zum anderen an dem geringen Entgelt, das die Kassen einer physiotherapeutischen Praxis für die Lymphdrainage zahlen. Mein erster Physiotherapeut erklärte mir, dass er sie nur deshalb anbiete, weil diese Patienten besonders zuverlässig seien und selten einen Termin absagten. Wer ganz ernste Schwierigkeiten hat, schaue doch mal unter www.foeldiklinik.de nach – diese Klinik in Hinterzarten scheint die beste in Deutschland zu sein. Viele Infos zum Thema gibt es unter www.bundesverband-lymphselbsthilfe.de.

Mein Urteil: Ich selbst habe mir nach der Operation zehn Lymphdrainage-Termine gegönnt. Auch wenn ich nicht sagen kann, dass dabei meine damals dicken Hände erfolgreich behandelt worden wären, hat mir die körperliche Berührung doch gut getan. Danach habe ich das Thema Lymphe meist mit Akupunktur und Qigong abgedeckt, aber derzeit langt das nicht. So habe ich mich wieder in Behandlung begeben – und genieße sie. Daneben weiß ich, dass etwa viel Trinken (Wasser!), adäquate Bewegung oder Massagen gut, zuviel Belastung und Hitze nicht so gut sind. Achten Sie auf sich!

Massagen

Man darf nicht vergessen, dass die Haut ein wichtiges Atmungs- und Entgiftungsorgan ist, Grund etwa für ayurvedische Heilmassagen. Außerdem gibt es inzwischen diverse Studien, die für Massage eine Symptomminderung bei Krebspatienten unter Chemotherapie nachweisen. Dabei muss noch nicht einmal der Profi ran; eine liebevolle Massage von Partner oder Freundin hat den gleichen Effekt. Fazit: Auch(oder gerade!) manuelle Therapien können eine heilende Wirkung entfalten!

So viele Therapiemöglichkeiten – welche ist richtig für mich?

Sie haben nun vieles gelesen und denken sich wahrscheinlich, Du liebe Güte, und was soll ich jetzt tun? Ich kann Ihnen nur raten: Haben Sie keine Angst vor Fakten, informieren Sie sich so umfassend wie möglich. Wenn diese Infobeschaffung und –verarbeitung nicht „Ihr Ding“ ist, lassen Sie sich helfen. Das Team von www.mammazone.de, einer empfehlenswerten Website für Brustkrebspatientinnen, hat einmal das Projekt „Diplompatientin“ angestoßen. Denn: Informierte Patientinnen bekommen meist die bessere Behandlung (passt gut dazu: das Buch von Georg Francken mit dem sprechenden Titel „Dr. Ich – Wie mündige Patienten sich im Medizinbetrieb behaupten und die optimale Behandlung finden“).

Wenn Sie dann aber vor einer Entscheidung stehen, hören Sie auf Ihr Herz. Das ist schwierig und einfach zugleich, aber sowieso etwas, was uns der Krebs lehren will. Fühlt sich etwas merkwürdig an, haben Sie Zweifel? Dann lassen Sie es. Fühlen Sie sich zu etwas, einer Behandlungsmethode und/oder einem Arzt bzw. Therapeuten hingezogen – tun Sie’s, auch wenn der Weg etwas weiter ist. Es wird genau das Richtige für Sie sein. Wobei ich auch gemerkt habe, dass alles seine Zeit hat. Heute ist vielleicht das eine gut für mich, morgen etwas anderes. Oder eine Kombination. Aber das entscheide ich, wenn’s soweit ist.

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